Eisenbahngeschichten.


Aus der Familiengeschichte - zwei Erlebnisse eines Eisenbahners.

Nachtrag zur Familiengeschichte.

Begebenheiten auf der ersten Staatseisenbahnbahnstrecke Braunschweig - Bad Harzburg.

Lokwechsel in Friedrichshöhe.

Blumen pflücken verboten.

Zurück an die weisse Linie! Ein Reise - Erlebnis aus dem Jahr 1967 in der damaligen "Ostzone"

Ein bühnenreifer Auftritt

Grenz - Uebersichtspunkt Eckertal


 
Aus der Familiengeschichte - zwei Erlebnisse eines Eisenbahners. Mein Onkel schrieb 1938 in seiner Schulabschlussarbeit auch über meinen Urgroßvater Rörentrop (den Eisenbahner) folgendes:
Ein weniger heiteres Erlebnis hatte er 1908. Es hätte ihn fast das 
Leben gekostet. In einer sehr nebligen Februarnacht hatte mein Grossvater den rangierenden Zügen Signale zu geben. Es war morgens einhalb sieben Uhr, also kurz vor Dienstschluss, als er, um einer Lokomotive auszuweichen, ins Nebengleis trat, ohne bei dem Nebel zu bemerken, dass von hinten auch eine Maschine nahte. Den Lokführer hinderte natürlich auch der Nebel, ihn zu sehen. Er wurde von der Maschine umgeworfen, lag der Länge nach zwischen den Gleisen, und die Maschine fuhr über ihn hinweg. Er kam sofort in das Krankenhaus 1, wo man feststellte, dass ein Riss über den ganzen Hinterkopf ging, der gefährlich aussah und zeitlebens eine grosse Narbe hinterliess,ohne dass edle innere Teile verletzt waren. Auch Rippenquetschungen und ein Armbruch sowie Hautverletzungen heilten so gut, dass er schon nach einem halben Jahr den vollen Dienst machen konnte. In der gleichen Nacht waren drei Unfälle, zwei davon mit tötlichem Ausgang, zu verzeichnen. Als meine Grossmutter eine ungewisse Nachricht bekommen hatte, machte sie sich auf den Weg, um Näheres zu erfahren. Unten im Hause hörte sie von einem schwer verletzten Eisenbahner, dem beide Beine abgefahren und der Schädel beschädigt sei. Als sie den Krankensaal betrat, schlug mein Grossvater gerade die Augen auf und erkannte sie. Da hoffte sie auf den guten Ausgang, der dann auch nicht ausblieb.

Beruflich hatte mein Grossvater einmal ein Erlebnis, wobei er viel Geistesgegenwart beweisen musste. Lokomotivführer und Stellwerksmeister sind wohl die verantwortungsreichsten Berufe bei der Eisenbahn. Mitunter hängt das Leben vieler Menschen von ihrem schnellen und entschlossenen Handeln ab. 
In seinem letzten Dienstjahr versah mein Grossvater den 

Assistendienst (Weichenwärter). Da bekam er eines Morgens einen eiligen Telefonanruf, dass eine führerlose Lokomotive unterwegs sei, die er so lenken müsse, dass sie möglichst wenig Schaden anrichtet.
Die Ursache war: eine eben reparierte Maschine war angeheizt und sollte an dem Morgen die Probefahrt machen. Der Heizer hatte wohl nicht bemerkt, dass der Regulator von Bubenhand geöffnet war und hatte sie für einen Augenblick verlassen, als sie sich langsam in Bewegung setzte. Er sah gerade noch, wie sie das Tor öffnete und die Werkstätte verliess. An der nächsten Blockstelle merkte man schon, dass sie führerlos war, ihr Tempo beschleunigte, und man gab die Nachricht sofort weiter. Der Heizer sprang aus seinen Pantinen und lief sich die Füsse wund, ohne sie einzuholen. Der erste Gedanke meines Grossvaters war, sie auf eines der toten Gleise am Schiffgraben zu leiten, aber die Prellböcke standen so, dass die Maschine durch den starken Anprall den Bock überfahren und auf den Schiffgraben stürzen würde, also ein unmöglicher Ausweg. Nun wieder ein Anruf, sie fuhr schon durch den Hauptbahnhof. Blitzartig kam der Gedanke: "Nach Wülfel auf den Prellbock!" wo gerade kein Zug fuhr. Bis dahin würde eine andere Möglichkeit gefunden werden. Gedacht, getan, da raste sie schon vorüber. Ein Blick auf die Uhr, und da kam die furchtbare Erkenntnis: der volle Arbeiterzug war unterwegs und noch nicht eingelaufen. Für Sekunden standen hunderte Menschenleben auf dem Spiel, während das Telefon hin und her arbeitete ......, der Arbeiterzug war eben noch durchgefahren, und fast im gleichen Augenblick grub sich die flinke Lokomotive in die Erde.- Das gab ein Aufatmen, als nur Materialschaden die Folge war.

(C) 2001 I. Schlender

Nachtrag zur Familiengeschichte:

Zu dem "Beinahe-Unglück" läßt sich folgendes ergänzen: Ab ca. 1883 war mein Urgroßvater im Eisenbahndienst tätig, zunächst als Hilfsweichensteller auf der Blockstelle Gutenbergstrasse.
Ab 1898 versah er dann den Dienst auf dem Stellwerk O.T.M.
(Ostausfahrt des Bahnhofes Hannover), mit 65 ging er in den Ruhestand.
Der Unfall ereignete sich in seinem letzten Dienstjahr, da er 1858 geboren wurde, muß das 1923 gewesen sein.
Als Ausgangspunkt der "Geisterfahrt" könnte der Werkstättenbahnhof Leinhausen in Frage kommen, da dieser westlich des Hbf lag. Die Strasse am Schiffgraben liegt schon östlich des Hauptbahnhofes, in einem Gleisplan von 1910 sind im Bereich des Hauptbahnhofes Stumpfgleise zu erkennen, die in der Nähe des Schiffgrabens liegen könnten (ich habe leider keine detaillierten Ortskenntnisse). Nachdem die Geisterlok den HBF durchfahren hatte, wird sie über Bismarkstrasse geleitet worden sein, bevor die Fahrt in Wülfel ihr Ende fand.
Welchen genauen Weg der Arbeiterzug zu nehmen hatte, ist mir zur Zeit leider nicht bekannt. Sollte jemand alte Photos von Leinhausen, der Blockstelle Gutenbergstrasse, dem HBF, dem Schiffgraben oder Wülfel aus den 20er Jahren haben, wäre es nett, mir diese zur Ergänzung des Berichts dieser wahren Begebenheit zur Verfügung zu stellen.
Auch ein Hinweis auf eine Literaturstelle zu diesem Eisenbahnunfall wäre interessant.

Begebenheiten auf der ersten Staatseisenbahnbahnstrecke Braunschweig - Bad Harzburg.
In den ersten Betriebsjahren wurden auf der Braunschweigischen Eisenbahn Plattformwagen eingesetzt. Diese Waggons waren zunächst noch nicht mit einem Abort ausgestattet. So muß es sich eingebürgert haben, daß auf der Fahrt die Plattform als Abort benutzt wurde. Schließlich wurde berichtet, daß sich ein Reisender im Winter zu weit von der Plattform
hinausgelehnt habe und abgerutscht sei, als er gerade sein Geschäft verrichtete.
Lokwechsel in Friedrichshöhe.
Es war an einem Juli - Tag 1993. Meine Frau und ich hatten beschlossen, der Selketalbahn einen Besuch abzustatten, nachdem wir die Harzquerbahn schon des öfteren mit Kameras bewaffnet besucht hatten. Früh morgens machten wir uns auf den Weg, hatten wir doch mehr als eine Stunde mit dem Auto zu fahren. Nach 8.00 Uhr hatten wir die Gleise erreicht, jetzt galt es, den nächst möglichen Zug unter Zuhilfenahme des Fahrplans und einer Landkarte abzupassen. Unsere Wahl fiel auf Friedrichshöhe, da dort eine Zugbegegnung stattfinden sollte. Mit Kamera und großem Regenschirm (es hatte zu nieseln angefangen) ging es auf den Bahnsteig. Wir positionierten uns etwa in der Mitte des Bahnhofbereiches, um beide Zugeinfahrten gut sehen zu können. Wir mußten noch eine Weile warten, bis der 1. Zug einfuhr. Der Nieselregen wurde immer stärker, obwohl wir am Ausgangspunkt unseres Ausfluges bestes Wetter gehabt hatten. Nun begann die Stimmung zu sinken, da es doch noch früh am Morgen war und das Wetter immer schlechter wurde. Meine Frau spannte den großen Regenschirm auf, so das wir und die Kamera nicht naß wurden.
Endlich fuhr der erste Zug aus Richtung Stiege ein. Bespannt war er mit der 99 7233, die Tender voran in das Gleis 1 einfuhr. Am Haken hatte sie 2 KBi Wagen und einen Packwagen.  Der Zugbegleiter stieg aus und ging zur Lok. Was wir nicht sehen konnten: auch der Heizer war abgestiegen. Es dauerte eine Weile, als plötzlich von der Lok Auspuffschläge zu hören waren. Die Lok war abgekuppelt worden und fuhr nun über die Weiche bis zu dem Punkt, an dem Rangierfahrten zu enden haben, um um den Zug umzusetzen. Da wurde es mir klar: Es sollte hier ein Lokwechsel stattfinden. Nachdem die Weiche umgelegt war, konnte die 233 an uns und am Zug vorbei fahren bis hinter die Weiche auf der gegenüberliegenden
Bahnhofsseite. Jetzt war ein Pfiff zu hören, aus Gernrode näherte sich 99 7232 mit einer entsprechenden Zuggarnitur. Kessel voran fuhr der Zug in Gleis 2 ein. Die Lok hielt genau vor unserer Nase, so das wir das Abkuppeln prima beobachten konnten. Danach setzte die 232 vor, und kam über die Weiche zurück bis zum Zug in Gleis 1. Nachdem die Weiche wieder umgestellt war, konnte die 233 jetzt vor ihren neuen Zug fahren. Inzwischen schüttete es aus vollen Kannen, jedoch hielt es uns nicht davon ab, das Geschehen weiter zu verfolgen. Der Zugbegleiter bedauerte uns, da wir uns seiner Meinung nach den feuchtesten Tag des Jahres ausgesucht hatten. Der Heizer der 233 stieg herunter und begann, seine Seite anzukuppeln,
es dauerte eine Weile, dann kam auch der Lokführer hinter der Lok zum Vorschein. Freundlich hob er seine Mütze und wünschte uns einen guten Morgen. Er kuppelte seine Seite an und begrüsste anschliessend den Zugbegleiter seines neuen Zuges. Nach der Bremsprobe wurde es Zeit abzufahren, mußte doch die 232 auch noch um ihren Zug herumfahren. Der Lokführer der 233 verabschiedete sich von uns, als er in Richtung Stiege losdampfte. Meine Frau erwiderte: "Wir sehen uns bestimmt noch!" Kaum war der Zug auf der Strecke, konnte die 232 über das nun freie Bahnhofsgleis ihren neuen Zug umfahren, ankuppeln und nach Gernrode abdampfen. So einen Lokwechsel hatten wir noch nicht erlebt, und es ist interessant, wie kompliziert es vonstatten geht, wenn nur 2 Bahnhofsgleise und zwei Weichen zur Verfügung stehen.
Jetzt ging es nach Stiege, sollte doch dort die 233 durch die Wendeschleife fahren, um weiter nach Eisfeldertalmühle zu kommen, ohne abzukuppeln. Wir waren gerade in Stiege angekommen, als der Zug schon einfuhr. Der Zugbegleiter musste noch eine Weiche aufschliessen, so das wir einen guten Fotostandpunkt an der Wendeschleife einnehmen konnten. Jetzt kam 99 7233 aus dem Bahnhof heraus und durchfuhr mit quietschenden Radreifen den Gleisbogen. Dabei war auch der Bahnübergang zu überqueren, so das ein Pfiff zu hören war. Als die Lok aus der Wendeschleife zurückkam, erwarteten wir einen erneuten Pfiff. Doch das war nicht alles, was die Lok von sich gab. Der Lokführer hatte extra für uns das Läutewerk betätigt und winkte uns (wohl eher meiner Frau) zu, als er an uns vorbei fuhr. Diese Geschichte habe ich bis heute gern in Erinnerung behalten, da mich die Sache mit dem Läutewerk sehr beeindruckte und da die Personale besonders freundlich waren. 
Der Lokführer ist den Lesern der Harzbahnpost übrigens kein Unbekannter, es war Hr. Maerten aus Nordhausen. Hiermit sei einmal Dank gesagt. Nun wurde auch das Wetter besser und wir konnten noch schöne Aufnahmen im Selketal machen.
Blumen pflücken verboten.
Wer kennt ihn nicht, den Spruch: Blumen pflücken verboten.
Oft wurde gescherzt - über die Geschwindigkeit der Schmalspurbahnen oder normalspuriger Nebenbahnen.
Man beschrieb die niedrige Geschwindigkeit damit, dass man während der Fahrt absteigen, Blumen pflücken und wieder aufspringen
könnte. So war ein Verbot geboren: "Blumen pflücken" verboten.

Dieses Verbot fiel mir als Überschrift zu folgendem Erlebnis ein:
Die Harzer Schmalspurbahnen und die Interessengemeinschaft hatten mal wieder einiges auf die Beine gestellt.
Es fanden sich mehrere Sonderzüge in Stiege ein, da dort ein Bahnhofsfest stattfand oder eine Sternfahrt dorthin ging.
Das Herbstlaub war schon gefärbt, das Wetter schön und alles wartete auf die Fahrten durch die Wendeschleife.
Die Nordhäuser waren auch mit ihrer Fiffi da und fuhren schließlich so manche Runde durch die Wendeschleife. Man hatte also mehrere Gelegenheiten, die Fiffi mit offenen Güterwagen aufzunehmen. Auch waren Führerstandsmitfahrten und Fahrten "oben ohne", das heist Fahrten im offenen Güterwagen möglich. Nach mehreren Durch- und Mitfahrten entschloß ich mich, eine Aus- und Einfahrt der Fiffi vom Bahnsteig aus aufzunehmen. Als die Lok ausgefahren war, rechnete ich natürlich mit kurzfristiger Rückkehr, da die vorigen Runden auch nur wenige Minuten gedauert hatten. Fehlanzeige: Ich wartete und wartete, schließlich schaltete ich meinen Fotoapparat aus, um die Batterie zu schonen. Vielleicht habe ich mir sogar eine Bratwurst geholt. Nach eine längerer Zeit kam die Fiffi endlich wieder. Jetzt erst fiel mir auf, das diesmal gar keine Fahrgäste im offenen Güterwagen waren.
Anscheinend hatte das Personal seine wohlverdiente Pause genommen und sich fern vom Bahnhofstrubel gehalten.
Zu meiner Überaschung stellte ich fest, das sowohl Lokführer als auch Heizer auf dem Fußboden des Führerstandes eine nicht unerhebliche Menge an Pilzen mitgebracht hatten. Wohin die beiden gefahren waren, wird natürlich nicht verraten!
Ich sage nur soviel: Blumen pflücken verboten - Pilze holen erlaubt.

Zurück an die weisse Linie! Ein Reise - Erlebnis aus dem Jahr 1967 in der damaligen "Ostzone".

Einmal im Jahr pflegten meine Mutter und ich die Tante in der Ostzone
zu besuchen. Sie wohnte im Norden Berlins in Oranienburg, welches am nördlichen Endpunkt einer Berliner S-Bahn Strecke lag.
Wir reisten fast jedes Jahr mit der Bahn an.
Auf der sechsstündigen Bahnreise mussten wir mehrfach umsteigen:
In Vienenburg, Braunschweig und in Berlin im Bahnhof Friedrichstrasse.

Es war der Bahnhof des Grauens: schmutzig, streng bewacht von Grenztruppen, und - wie ich Jahre später las - mit Schikanetreppen für die Reisenden versehen,
während die Stasi ebenerdige Geheimgänge nutze.
Es war der Einreisebahnhof in die Ostzone.
1967 gab es für mich auf der Rückreise in den Westen
ein unvergessliches Erlebnis:

Wir waren per S-Bahn wieder in Berlin angelangt, hatten die Grenzkontrollen passiert und waren schliesslich mit schweren Koffern treppauf - treppab auf dem Bahnsteig für den Interzonenzug angekommen.
Der Bahnsteig war proppevoll, die Menschen standen an einer dicken weissen Linie, die ca. einen Meter von der Bahnsteigkante entfernt aufgemalt war.
Wir mussten eine ganze Weile warten, bis der Interzonenzug, der uns über Marienborn und Helmstedt in den Westen bringen sollte, endlich bereitgestellt wurde.
Während der Zug noch rollte, versuchte eine auf mehrere Hundertschaften geschätze Menschenmenge, sich in den in BHF Friedrichstrasse eingefahrenen Zug hineinzudrängen.
"Zurück an die weisse Linie" brüllte ein "DDR-Grenzer" und schoss unmittelbar danach mit einer Pistole in die Luft.

Postkarte: Sammlung Gerd Schlender, (Poststempel 1903)

 
Dieser Grenzer stand wenige Meter neben mir, es durchzuckte mich sowie alle anderen Reisenden. Nun schickten die "Beamten" einen Schäferhund unter dem Zug entlang, zwei weitere "Beamte" gingen durch den Zug und klappten die Sitzflächen hoch, um potenzentielle Republik-Flüchtlinge zu finden.
Die Sitzflächen der Interzonenzüge waren extra klappbar konstruiert.
Unter der Glaskuppel der Ausfahrt ´gen Westen stand auf einer Brücke ein weiterer Grenzer mit einer Maschinenpistole.
Nach der Kontrolle durften die Reisenden einsteigen. Da ich als "Stöppke" fast direkt neben dem Pistolen-Schützen stand, werde ich dieses Erlebnis nie vergessen.
Abschliessende Anmerkungen:
Dieses ist ein Stück deutsch - deutscher Eisenbahn-Geschichte aus der Zeit des kalten Krieges, da diese für jüngere Eisenbahnfans vielleicht schon unvorstellbar ist, habe ich mich entschlossen, dieses Ereignis aufzuschreiben.
Es geht hier nicht um die Schürung von Ost-West Konflikten, im Gegenteil, ich bin heilfroh, dass man heutzutage auf den Brocken fahren darf und dass manch "Grenzer" seinen "irrsinigen Auftrag" vergessen hat.

 

Im historischen Drehscheibe - Online Forum hatte ich dieses Erlebnis auch schon einmal in etwas kürzerer Form aufgeschrieben.
Angeregt wurde ich durch eine kleine Diskussion zum "Helmstedter Abkommen".
Eine Antwort auf meine Geschichte brachte weitere Erinnerungen wieder zu Tage, da die Erlebnisse des Antwortenden
und meine sich sehr ähnelten und sich auf das gleiche Thema bezogen:

 

Es ging um das Hochklappen der Bänke im Zug, wenn man schon darauf saß.
Heute von mir scherzhaft "Gruppengymnastik" genannt:
Bei den Kontrollen im Zug mussten alle die Füsse hoch nehmen oder aufstehen, damit die Grenzer unter die Sitze gucken konnten. Und ja nicht grinsen, vorher von der "Mama" ordentlich gebrieft, um nicht aufzufallen.

 

Ein bühnerreifer Auftritt.

Eines meiner schönsten Zugbegleiter - Erlebnisse war der Auftritt eines Zugbegleiters im ICE auf der Strecke Hannover - Würzburg nach dem Personalwechsel in Fulda:
Bekanntermassen wurden Fahrkarten von den Personalen vor Erreichen des Ortes Fulda und danach von der "Ablösung" nochmals kontrolliert. Ich saß im Grossraumabteil mit Blick zur Glastür, der Zugbegleiter trat mit breitem Grinsen ein und begann nur in Satzbrüchen zu sprechen (ein alter Komiker - Trick.)
Kein Satz kam vollständig über die Lippen, die Fahrgäste lagen ruckzuck in der Ecke vor Lachen:
Ein paar Sätze kann ich noch sinngemäss wiedergeben:
- (Beim Eintreten) Meine Damen und ..., ich muß leider noch einmal ...
- (Beim Kontollieren einer Fahrkarte) Ahhh, Sie fahren nach ... , (wieder grinsend) ... auch ein schönes Städtchen...
So ging das von Fahrgast zu Fahrgast, der Mann hatte Zeit und Spass an seinem Job.

Grenzuebersichtspunkt Eckertal.
Schilderung der infrastrukturellen Verhältnisse am nördlichen Harzrand, Schilderung des damaligen Grenzübersichtspunktes Eckertal, der im Westen zum unmittelbar an der DDR Grenze gelegenen Ort Stapelburg im Osten lag.
Am 11.11.1989 wurde die Grenze zwischen Stapelburg und Eckertal geöffnet. Mit einigen erläuternden Worten wird die Vorgeschichte der Region auf westlicher Seite vom Ende der 60er Jahre bis zum Ende der 80er Jahre beschrieben. Eckertal gehört zur Gemeinde Bad Harzburg. Bad Harzburg lag im ehemaligen "Zonenrandgebiet", der Begriff entstammt aus der Zeit vor 1970. Dieses kennzeichnete eine strukturschwache Region im Westen, die aufgrund der Grenze wenig "wirtschaftliches Hinterland" besass. Somit wurden die Verkehrswege in Richtung Grenze nicht auf den allgemeinen Stand der Technik geführt, der ansonsten in der Bundesrepublik für Verkehrswege galt, mit einigen Ausnahmen. 1945 wurde das Gleis unterbrochen, jedoch erst 1977 von Harzburg bis Eckertal abgebaut. Weitere Daten und eine bebilderte Spurensuche dieser Strecke habe ich in der Rubrik Spurensuche Harzburg - Stapelburg hinterlegt. Die von Bad Harzburg nach Braunschweig Ende der 60 er Jahre begonnene Erweiterung der B4 (Ausbau auf 4 Spuren) nahm Rücksicht auf den ehemaligen Eisenbahnverlauf. Die alte Strassenbogenbrücke der B4 über den tiefen Einschitt bekam eine teure lange vierspurige Schwester über den gleichen Einschnitt, um die Eisenbahn Harzburg -Eckertal ggf. später weiter betreiben zu können! Dazu ist es leider nie wieder gekommen. Die beiden Brücken überspannen heute einen Urwald. Eine weitere interessante Vorgeschichte hatte die alte Bundesstrasse 6 von Bad Harzburg nach Eckertal, die lange Jahre einen typischen alten gewölbten Strassenquerschnitt besaß. Jedoch fuhren eines Tages eine Menge LKW mit Teer beladen nach Eckertal und bauten diese Strasse aus. Das war ca. Anfang 1970! Man erhoffe sich anscheinend nach Ende des kalten Krieges und Anerkennung der DDR eine Grenzübergangsstelle, zu der es nicht kam (bis zum 11.11.1989). In Eckertal war ein sogenannter "Grenzübersichtspunkt", ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen, insbesondere aus den Niederlanden und Dänemark. Dieser "Grenzübersichtspunkt" sah folgender Maßen aus: Die Bundesstrasse 6 endete kurz hinter dem Ortsschild, in rechtem Winkel zweigte eine Strasse ab, die parallel zur Grenze verläuft und an der die wenigen Häuser Eckertals stehen. An der Strassenmündung in Eckertal befindet sich die Gaststätte Eckerkrug. Auf der Strasse (B6) hinter der Einmündung fand kein Autoverkehr mehr statt, dort stand (mitten auf der Strasse?) ein grosser Schaukasten, der die Grenzanlagen erläuterte. Dieses geschah mit einem Modell, das einer Modellbahnlandschaft glich. "Grenzanlage" heisst: - Darstellung der Metallgitterzäune, die 3m hohe Beton-Mauer stand in der Realität zunächst noch nicht. - Hundelaufanlagen waren dargestellt. - Der Grenzstreifen wurde erläutert. - Es war beschrieben, dass es kein Niemandsland gibt, sondern dass der Grenzzaun zurückgezogen auf DDR Territorium steht. Die eigentliche gemeinsam zwischen DDR und Bundesrepublik vermessene Grenze wurde durch weisse Holz-Pfähle mit roter Kappe und Schildern "Halt, hier Grenze" oder "Halt, Bachmitte Grenze" markiert. Die DDR verwendete schwarz-rot-goldene Betonpfähle mit DDR Emblem, welche 1989 schnell Opfer der "Mauerspechte" wurden. Hier und da gab es Streitigkeiten zwischen beiden Staaten, ob Bachmitte oder Flussufer die eigentliche Grenze darstellt, Beispiele: Elbe und Ecker. Ich meine, der Schaukasten enthielt auch Schilder oder diese Erläuterungen erfolgten in dem "deutschen Haus", welches heute noch linkerhand der alten B6 aus Sicht Eckertal steht. Der eigentliche Grenzübersichtspunkt war eine ca. 3m hohe grosse Holzplattform, von der man Einblick auf die Grenzanlagen hatte und nach Stapelburg herüberschauen konnte. Vis-a-vis war ein Wachturm der Grenzposten der DDR, in dessen ehemaligen Eingang heute noch ein Museum ist. Man konnte auch den Bahndamm inklusive "NVA Depot" sehen, am alten Streckenkilometer 22,4. (Dort fand am 10.11.1991 die Lückenschlußdemo mit 50 3708 statt.) Natürlich gab es auch "landwirtschaftliches" zu sehen, Eggen und harken, um Spuren aufzudecken, NVA LKW Verkehr auf Kollonnenwegen westlich des Zaunes! Schliessvorgänge im Zaun, aufgehängte Wäsche in Stapelburg, Trabbi Verkehr in Stapelburg, all das sind Bilder, die im Kopf wieder auftauchen. Der Grenzstreifen wurde nach der Wende angeblich von Minen geräumt, ich meide es dennoch heute noch, in diesem Bereich die Wege zu verlassen. Zum 11.11.1989: Die damalige Strassenbrücke über die Ecker befand sich unmitelabar hinter der grossen Holz- plattform. 1989 war diese Brücke nicht mehr für Strassenverkehr geeignet. Am Tage der Grenzöffnung wurden Betonteile aus der Mauer entfernt, eine behelfsmässige Fußgängerbrücke über die Ecker hergestellt. Trabbis, Wartburgs usw. blieben in Stapelburg abgestellt, Menschenmassen erstürmten zu Fuss das 6 bis 7 km entfernte Bad Harzburg. Es herrschten chaotische Zustände, da es keinen Bürgersteig auf dieser Strasse gab. Taxi´s und Busse aus Bad Harzburg fuhren, alles was verfügbar war. Ein Freund von mir fuhr mit seinem Wagen sechs Mal, um Menschen in Eckertal einzuladen und nach Bad Harzburg zu fahren. Meine Mutter ludt wildfremde Menschen zum Kaffee ein, durch Zufall ausgerechnet Eisenbahner Als Dankschön erhielt ich später ein Ticket auf den Brocken für einen der ersten Züge überhaupt, er fuhr im Oktober 1991. Die erste Strassenbrücke war eine Behelfsbrücke des BGS, dieses Provisorium dauerte mehrere Jahre an. 1996 erfolgte der Streckenwiederaufbau / Streckneubau Vienenburg - Stapelburg - Ilsenburg.

 

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Letzte Änderung 06.03.09